Wieder einmal im Traumland
 
 
 
 
 
 
 
 
Ein Tourbericht des 4. Kanadabesuches von Wieland Daßler
vom 07.-13.09.2005
 
 
Nicht mehr auszuhalten, das Warten auf den Tag, wo es wieder ins, von meiner Sicht aus, schönste Land der Erde ging, jedenfalls von den Ländern, die ich schon besuchte.
Das letzte Mal war es im Jahr 2001, als ich mit meiner Schwiegermutter Marga in Kanada war.
Leider lag ein Schatten auf dieser Reise. Am 31.07.2002 verstarb Dieter Brenne, nunmehr schon der 2. verstorbene Ehemann Lieselottes, unserer Verwandten von der „Lich-Sippe“.
Ein herzensguter Mensch, der sein Leben lang für alle da war, der Lieselottes Enkel wie seine eigenen liebte und der tief in unseren Herzen weiterlebt.
Auch Ihre Mutter Margarete war eineinhalb Jahre zuvor, am 15.12.2000 verstorben, so das Ihr in Ihrem Haus nur noch die treue Hündin “Sammy“ blieb, die aber auch sichtlich gealtert war und mit dem Laufen Probleme hat.
So richtig Auftrieb bekommt Lieselotte, wenn Ihre Enkel erscheinen und jedes für sich seine eigenen Charaktere ausspielt.
Unsere Reise begann also am Mittwoch, dem 07.09.2005.
Ein Airbus A330-200 der kanadischen Airline „Air Transat“ startete um 08:15 Uhr vom Flughafen Frankfurt und nach Überquerung Islands und Grönlands, welche schön zu sehen waren, landeten wir nach 9Stunden 30Minuten auf dem Flughafen Calgary in der Provinz Alberta.
 
 
An den Serviceleistungen merkte man schon, das es eine Billigfluglinie ist. Nach einem warmen Essen mussten die Passagiere über 5 Stunden auf den nächsten Imbiss warten.
Wir hatten natürlich mit genügend Wurstschnitten, gekochten Eiern, Tomaten und sauren Gurken vorgesorgt.
Alle um uns herum schnupperten nervös.
In Calgary war es erst, Dank des Zeitunterschiedes von –8Stunden 09:45Uhr und so hatten wir nach Empfang des Mietwagens, einem Pontiac, genügend Zeit, um uns noch einige Sehenswürdigkeiten auf dem Weg nach Jasper anzuschauen.
In Calgary kauften wir noch etwas ein und dann ging es auf dem „Trans Canada Highway Nr.1“ Richtung Westen, am Olympiazentrum mit seinen weithin sichtbaren Schanzen vorbei.
Das Wetter spielte mit und so sahen wir schon von Weitem die Rocky Mountains leuchten, wie einen Schatz, der unberührbar schien.
Bald wurden wir jedoch aus unseren Träumen gerissen und in die Realität zurück geholt.
Bei der Einfahrt in den „Banff-Nationalpark“ waren 102,-Kanadische Dollar für eine Auto-Eintrittskarte fällig, gültig für ein Jahr(ermäßig durch Rentnerin Marga, normal 109,-).
Weiter ging es an Banff vorbei hinauf nach Lake Louise. Hier bogen wir links ab und erreichten den „Morain Lake“, der wie ein türkisblauer Diamant in der Sonne glänzte. Wunderbare Aufnahmen konnten wir hier machen. Die Berge spiegelten sich im Wasser.
 
 
 
Schon ging es wieder hinunter auf den „Trans-Canada-Highway Nr.1”Richtung Vancouver.
Und bald fuhren wir in den „Yoho-Nationalpark„ ein . Am Aussichtspunkt „Spiral Tunnels“ kann man ein gigantisches Eisenbahnbauwerk bewundern. Hier winden sich die Züge wie in einer Spirale nach oben, die meiste Zeit in kreisförmigen Tunneln. Ungefähr 20 Minuten benötigt ein Zug, bis er die Highwayhöhe erreicht bzw. hinunter fährt.
Nach 2 Kilometern bogen wir später nach rechts Richtung „Takakkaw Falls“ ab, einem 384m hohen Wasserfall.
 
 
 
 
Nun mussten wir uns aber sputen, um noch vor der hereinbrechenden Nacht Jasper zu erreichen. Wir fuhren zurück und bogen bei Lake Louise nach links ab auf den „Icefield Parkway 93“, einer der schönsten und spektakulärsten Straßen der Welt. Bis an die Straße reichende Gletscher und tosende Wasserfälle sowie steil aufragende, schneebedeckte Berge begleiten jeden, wenn schönes Wetter und gute Sicht herrscht. Wir hatten an diesem Tag wieder dieses Glück, das sich aber schnell ändern kann.
Kurz vor dem Überqueren des Passes am „Columbia Icefield“ waren Rettungskräfte mit dem Aufräumen und Bergen von Autos beschäftigt. Ein folgenschwerer Unfall, mit einem zu schnellen Wohnmobil, kostete einem Autofahrer das Leben.
Die Autos waren schwer beschädigt, das Wohnmobil hatte sie gerammt und durchbrach die Leitplanke. Es lag an einem schwer zugänglichen Abhang.
Auch Bighornschafe standen ungläubig an der Leitplanke und verfolgten das Geschehen.
Kurz nach passieren des“ Athabasca-Gletschers“ sahen wir auf der rechten Seite eine weiße Ziege mit ihrem Jungen wieder die Berge hochklettern. Sie kommen zur Mineralien- und Wasseraufnahme ins Tal herunter.
Gegen 19 Uhr erreichten wir Jasper. Lieselotte begrüßte uns mit spürbarer Freude und auch „Sammy“, die 14 Jahre alte Hundedame, wollte gleich vor Freude mit uns spielen.
Sie hat uns sicherlich wiedererkannt. Lieselotte hatte für uns leckeres „Chilli concane“ gekocht, Bohnen und Reis usw..
Bald mussten wir die Betten aufsuchen, die Augen fielen zu. Zuvor hatten wir noch die Geschenke und Thüringer Wurstspezialitäten überreicht.
 
  
 
Am anderen Morgen fuhr ich, nachdem wir ausgiebig gefrühstückt hatten, Lieselotte zum Arzttermin, damit Sie später mit uns auf Fahrt gehen konnte. Währenddessen meldete ich eine Besichtigung bei der Feuerwehr an.
„Der Chef kommt Montag erst wieder“, sagte mir Ron, ein, aus Österreich stammender Feuerwehrmann.
Da das Wetter schön zu werden schien, fuhren wir dann auf dem „Yellowhead Highway 16“ Richtung Valemount, um nach den Lachsen zu sehen. Diese Strecke ist ebenso bewundernswert wie die 93.
Am Moose Lake und Mt.Robson vorbei glänzen Eisriesen in der Sonne. Leider ist die Laichsaison der Lachse schon vorbei. Keinen Schwanz haben wir gesehen und so blieb uns nur eine Rundfahrt um Valemount und eine Einkehr in ein Cafe, um uns zu stärken. Fisch und Schnitzel wählten wir aus und es war alles sehr lecker. Ach ja, erwähnen muss ich noch die große Fülle an Preiselbeeren um Valemount herum. Und herrlich warm war es hier. Der „Indian Summer“ war anhand der bunten Wälder schon recht gut vorangeschritten.
 
  
 
Am „Mount Robson“ bogen wir später rechts ab und erreichten die „Mount Robson Ranch“. Ein Japaner sorgt seit ein paar Jahren dafür, den sanften Tourismus aufrecht zu erhalten und die Gebäude vor dem Verfall zu schützen. Er erzählte uns von einer Schwarzbärin, die jeden Morgen und Abend mit ihrem Jungen zum Beerenfressen kommt. Ein Zug gab Signal, als er den Tunnel verließ und es schallt hier angesichts steil aufragender Felswände besonders spektakulär.
Alles in allem ein kleiner Geheimtipp für Naturliebhaber, kann doch hierher kein Bus fahren und Scharen von Touristen bringen.
Auf der Rücktour glückte uns die Begegnung mit einem Schwarzbären, der am Wegesrand nach reifen Früchten suchte.
Wir genossen alle den schönen Tag und diesen immer wieder interessanten Ausflug auf alten Entdecker- und Trackerpfaden.
Am Freitag, dem 09.09.05 regnete es und so erledigten wir einige Besorgungen mit Lieselotte. In einer Wertstoffannahme werden alte Büchsen, Flaschen und Pappen gut bezahlt. Auch mit den Enkeln unternimmt Sie regelmäßige Handwagentouren, um weggeworfene Büchsen u.ä. aufzusammeln. Da kommt schon so manches Taschengeld herein und die Kinder lernen das Geld schätzen. In einer Veterinärapotheke kauften wir für unsere Rentnerhunde „Sammy“ und „Willi“ Aufbaumittel für Knochen und Gelenke.
Im Lebensmittelladen trafen wir dann die Nachbarin, eine Italienerin, die mich von früheren Besuchen wiedererkannte. Eine lustige Frau.
Nachdem ich 2 Vogelhäuschen und ein Rosenrankgitter im Garten von Lieselotte anbrachte, gönnte ich mir erst einmal ein „Molsen-Bier“ und trank es gemütlich auf der schönen vorderen Veranda. Die vorbeigehenden Urlauber waren bestimmt neidisch, hatten sie es in ihren Hotels bestimmt nicht so ruhig und gemütlich.
Am Abend fuhren wir dann Richtung „Park Logde“, um eventuell Hirsche zu sehen. Und das klappte auch. Ein dominanter Wapitihirsch, jetzt ist ja Brunftzeit, führte eine Herde gleich neben der Straße.
 
 
  
 
Ein Besuch auf dem Friedhof, wo Dieters Urne bestattet wurde beschloss den Tag.
Am Samstag merkte ich auf dem Weg zum Brötchenholen eine Eisluft von den Bergen ziehen. Und tatsächlich, auf den Bergen schimmerte eine frische, weiße Schneedecke.
Die Schneegrenze ist nicht mehr weit weg, liegt der Ort doch schon gute 1000m hoch.
Nach dem Frühstück und einigen Besorgungen beschlossen wir zu den heißen Quellen von „Miette Hot Springs“ zu fahren. Auf der 16 ging es somit Richtung Edmonton, um nach ca. 50km bei „Pocahontas“ nach rechts abzubiegen. „Hoffentlich liegt nicht so viel Schnee da oben“ dachte ich mir. Die Straße war stellenweise durch Erdrutsche mit Steinen besät, so das man äußerst vorsichtig fahren musste. Ein Schneeflug schob sie dann beiseite.
Oben angekommen lag wirklich Schnee, auf den Autos ungefähr 10cm.
Im 40 Grad heißem Wasser war es aber sehr angenehm.
 
 
Auf der Rückfahrt standen kurz vor Jasper wieder viele Autos am Straßenrand und es deutete auf Wild hin. Eine Hirschherde wurde von allen gefilmt und fotografiert. Vom Hirsch geht immer eine große Gefahr für zu nahe kommende Touristen aus. Man sagt ungefähr 3 Busslängen oder 30m und bei Bären 10 Busslängen oder 100m Sicherheitsabstand. Ein Parkranger kam angefahren und forderde per Lautsprecher alle auf sich zu entfernen. Danach begab er sich hinunter und feuerte 3 Warnknaller in die Luft. Nur die Hirschkühe setzten sich daraufhin in Bewegung, dem Hirsch ging das alles nichts an. Er blieb stehen. Nun holte der Ranger das Gewehr und feuerte 3 Plastikgeschosse auf den Hirsch. Erst jetzt trottete er langsam der Herde hinterher.
 
  
 
 
Am Abend unternahm ich mit Marga noch eine kleine Shoppingtour. Zurückgekehrt hatte Lieselotte schon wieder leckeres Hühnerfrikasee mit Reis aufgetischt. Wir unterhielten uns noch ein wenig und schätzten ein, das wir aus diesem veregneten Tag doch noch das Beste gemacht haben.
Am Sonntag, dem 11.09.05 lösten sich die Wolkenfelder allmählich auf und so sahen wir die strahlend weißen Berge leuchten. Grund genug eine Rundfahrt zu beginnen.
Hinauf ging es zur Talstation der „Jasper Tramway“, später zum Skigebiet „Marmot Basin“, welches aber noch geschlossen war und am Nachmittag zum „Pyramid Lake“. Dort war es herrlich warm. Strahlender Sonnenschein verleitete, sich auf einer Bank niederzulassen, um sich zu sonnen. Auch jede Menge Streifenhörnchen sammelten Wintervorrat. Seltene Enten schwammen auf dem See und stärkten sich noch einmal vor dem großen Flug Richtung Süden.
 
              
 
Überall konnte man herrliche Fotos schießen. Einen einzelnen, wahrscheinlich verstoßenen Hirsch konnten wir dann später am Straßenrand bewundern. Seine Geweihspitzen glänzten gefährlich, wie lauter Dolche.
Am Abend unternahmen wir dann, nach einem vorzüglich schmeckenden Rinderbraten, noch einen Verdauungsspaziergang mit „Sammy“. Nun begann es wieder zu regnen, der sich auch am anderen Morgen fortsetzte.
Nach einem Anruf bei der Feuerwehr kamen wir nun doch noch zu unserer Führung.
Als Glanzpunkt nahm uns der Chef der Feuerwehr „Greg van Tighem“ noch zu einer Bewegungsfahrt mit dem Leitereinsatzfahrzeug mit.
Was für ein Erlebnis.
 
    
 
Später besuchten wir das Museum und fuhren noch hinauf zum „Maligne Lake“.
 
  
 
Ein Regenbogen im Tal des „Athabasca River “ bei Jasper sollte die Heimreise einläuten.
 
 
Der Abschied fiel schwer.
 
  
 
  
 
Am Morgen des 13.09.05 gegen 05Uhr 15 starteten wir in Jasper Richtung Calgary, wo wir gegen 09Uhr 15 eintrafen.
Nach dem Einchecken saßen wir noch eine Zeit an einer großen Glasfront, aßen etwas vom vorbereiteten Frühstück und genossen den herrlichen Blick auf Calgary „Down Town“ und die im Hintergrund glänzenden, weiß verschneiten Berge der Rocky Mountains.
Um 12Uhr 45 rollte der Airbus an.
 
Auf Wiedersehen Lieselotte, auf Wiedersehen Sammy!
 
Auf Wiedersehen, schönstes Land der Erde

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